Pressebericht

Mit HALTEC auf Spurensuche

Zelt und Co Nr. 06, Dezember 2010   Grabungshalle lud ein zur Reise in die Vergangenheit

Lübeck wurde 1143 als erste deutsche Stadt an der Ostsee gegründet. Im Lauf der Jahrhunderte hat sich das Gründungsviertel stark verändert. Wo heute schmucklose Nachkriegsbauten aus den 1950er Jahren stehen, residierten vom 13. Jahrhundert an reiche, hanseatische Kaufleute in prunkvollen Häusern. Auch die allerersten Siedlungshäuser aus Holz standen hier einst. Auf Spurensuche nach dieser ältesten Siedlung begaben sich Lübecks Archäologen im vorigen Jahr. Bis Ende 2013 untersuchen sie rund 9000 Quadratmeter Grundrissfläche des mittelalterlichen Stadtkerns. In der Hoffnung auf weitere Erkenntnisse über die Anfänge der Hansestadt graben sich die Altertumsforscher bis zu fünf Meter in die Tiefe. Die Öffentlichkeit ist dabei ausdrücklich erwünscht, handelt es sich doch um eine der größten Ausgrabungen, die es derzeit in Deutschland gibt.

Ganz nah heran kam man in der Grabungshalle. Der Hallen- und Zeltspezialist HALTEC hatte sie als Überdachung für den ersten Abschnitt gebaut. Besuchern und Hobby-Historikern stand sie regelmäßig für Führungen offen. Zu besichtigen waren die bisherigen Funde, auch die Arbeit der Archäologen konnte man live verfolgen. Und nicht nur das: Passanten sollten von außen ebenfalls miterleben, wie die Vergangenheit Schicht für Schicht freigelegt wird. „Zur Straße hin haben wir die Zelthalle deshalb mit einer Schaufenster-Front ausgestattet“, erläutert HALTEC-Geschäftsführer Jens Geißner. „Das Dach wurde mit einer transluzenten Plane verkleidet, damit das Tageslicht als natürliche Beleuchtung nach innen scheint. Für den Publikumsverkehr haben wir zusätzliche Türen und Fluchtwege berücksichtigt.“

Alt trifft neu
Aber wie baut man eine 700 Quadratmeter große Zelthalle inmitten einer Ausgrabungsstätte? Eignet sich ein solches Gelände überhaupt als Baugrund? „Der Boden hatte ein ziemlich starkes Gefälle“, berichtet Geißner. „Bei der Ortsbegehung war sofort klar, dass wir die Konstruktion anpassen müssen.“ Um die Neigung auszugleichen wurden mehrere Einzelfundamente in Form einer Treppe gelegt. An einer Giebelwand durften die Fundamente allerdings nur aufgelegt werden. Um sie später wieder entfernen zu können, versah man sie mit Stahlhaken.

Die Zelthalle wurde mit unterschiedlichen Traufhöhen errichtet: 3,50 Meter auf der einen Seite, 4,40 Meter auf der gegenüberliegenden. Auf Schaulustige warteten spektakuläre Bilder, denn das Amt für Archäologie und Denkmalpflege hatte eindringlich darum gebeten, die bereits ausgegrabenen Flächen nicht mit Leitern oder Ähnlichem zu betreten. Schon bei der Anlieferung war das Entladen daher nur per Kran möglich. Montiert wurde dann von der Seite komplett aus der Luft mit einem Teleskopstapler. Geißner: „Das war ein Auftrag, bei dem wir unsere ganze Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen konnten.“

Die Stadt mietete die Grabungshalle für sieben Monate. Doch was genau gab es darin zu bestaunen? Geißner schmunzelt: „Zum größten Teil die mittelalterlichen Kloakanlagen der alten Hanseaten. Dass ihre Aborte einmal zur Attraktion werden würden, hätten sie sich wohl nicht träumen lassen.“ Wen wundert`s: Wenn die Archäologen gruselige Geschichten über betrunkene Kaufmänner erzählten, die benebelt von Bier und Wein in die Kloaken einbrachen und jämmerlich erstickten, leuchteten die Augen der Besucher.